INKLUSIVE ARBEITSPLÄTZE DURCH ÖFFENTLICHE AUFTRAGS­VERGABE STÄRKEN!

In Inklusionsunternehmen arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung gleichberechtigt zusammen. Schon heute beschäftigen sie über 13.500 Menschen mit Schwerbehinderung fair und inklusiv auf dem ersten Arbeitsmarkt. Und es sollen noch mehr werden.

Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber für Bund und Länder Möglichkeiten geschaffen, Inklusionsunternehmen bei der Vergabe öffentlicher Aufträge bevorzugt zu berücksichtigen. Über diese Möglichkeiten wollen wir auf dieser Seite informieren.

Dieses Informationsportal richtet sich sowohl an öffentliche Auftraggeber*innen, die mit ihrer Vergabepraxis den inklusiven Arbeitsmarkt stärken wollen als auch an Inklusionsunternehmer*innen, die sich um öffentliche Aufträge bewerben.

An Inklusions­unter­nehmen vergeben: Ein Praxisbericht

Amtsmitarbeitende_BAM beim AfB Einsatz

#Amtsmitarbeitende

Wir sind Godela von Drygalski und Mike Below, Mitarbeiter der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, kurz BAM. Für unseren Auftrag, dem Recycling unserer IT-Hardware, haben wir in erster Linie ein Unternehmen gesucht, das die Nachhaltigkeitsziele des Bundes umsetzt und gleichzeitig die Anforderungen der IT in Bezug auf Löschung von Festplatten, etc. erfüllt. Dass das Inklusionsunternehmen AfB nicht nur hierin stark aufgestellt ist, sondern auch ein inklusives Unternehmen ist, hat uns begeistert.

Als öffentlicher Auftraggeber sind wir streng an gesetzliche Reglungen bei der Vergabe öffentlicher Aufträge gebunden. Mit der Rechtsnorm §14 Abs. 4 Nr. 16 lit. a) UVgO hat der Gesetzgeber eine Möglichkeit geschaffen, Aufträge an Werkstätten für Menschen mit Behinderungen oder an Unternehmen, deren Hauptzweck die soziale und berufliche Integration von Menschen mit Behinderungen oder von benachteiligten Personen ist, im Wege einer Verhandlungsvergabe mit oder ohne Teilnahmewettbewerb zu vergeben. Für uns ein echter Mehrwert, denn so konnten wir mit unserem Auftrag eine starke soziale Wirkung erzielen: die Sicherung von Arbeitsplätzen von Menschen mit Behinderung!

#Inklusionsunter­nehmer

Mein Name ist Daniel Büchle, ich bin Geschäftsführer des Inklusionsunternehmens AfB social & green IT. Wir haben – neben unserem positiven Wirken auf Umwelt und Klima – ein großes Firmenziel: Die Schaffung von 500 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen für Menschen mit Schwerbehinderungen. Auch öffentliche Aufträge helfen uns dabei, dieses Ziel zu erreichen.

Seit mehr als 15 Jahren setzten wir uns für Inklusion auf dem Arbeitsmarkt und ökologisches Handeln in der IT-Branche ein – und das mit Erfolg. Wichtigster Erfolgsfaktor sind die Menschen, die bei uns arbeiten. Sie schaffen Dienstleistungen und Produkte von höchster Qualität. Das schätzen auch unsere Partner und Kunden.

So auch die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), deren gebrauchte IT-Hardware wir aufbereiten oder recyceln. Besonders stolz sind wir auf den sozialen und ökologischen Mehrwert, der seit Beginn der Partnerschaft mit der Bundesanstalt entstanden ist. Durch den Wiederverkauf ihrer gebrauchten IT-Hardware, dem Remarketing, wurden fast 1 Millionen Liter Wasser eingespart und der CO2 Ausstoß um 145 Tonnen reduziert. Gleichzeitig wurde eine hohe Anzahl an Arbeitsplätzen für Menschen mit Schwerbehinderung gesichert.

#Mitarbeiter

Ich heiße Thomas Brocksch, arbeite als Datenlöscher im Inklusionsunternehmen AfB und bin gehörlos. Im Laufe meines Lebens habe ich bereits einige Arbeitsstellen und auch Zeiten der Arbeitslosigkeit erlebt. In der Berliner AfB-Niederlassung habe ich einen Arbeitsplatz mit Verantwortung gefunden und ein Team, auf das ich mich verlassen kann. Hier kann ich unter Beweis stellen, was in mir steckt und an Herausforderungen wachsen. Vor der Datenlöschung hatte ich anfangs großen Respekt. Heut weiß ich genau, was ich tue und beherrsche die Löschung gut. Doch der Job bleibt anspruchsvoll. Ich muss ständig Neues lernen, weil die Computer immer kleiner und komplexer werden.

Von der Bundesanstalt für Materialforschung haben wir bisher fast 1.500 IT-Geräte bekommen, vor allem Notebooks und PCs. Da die Geräte alle noch mit Daten unseres Partners bespielt sind, muss ich alle Geräte mit einer zertifizierten Löschsoftware löschen. Danach werden die Geräte je nach Alter, Zustand und Ausstattung von mir klassifiziert und in unserem Warenwirtschaftsprogramm dokumentiert. Nach diesem Prozess sieht die BAM ganz genau, was mit ihren Geräten passiert ist, da sie von jedem Gerät ein Löschprotokoll bekommen. Danach kümmern sich die anderen Abteilungen der AfB um die Geräte. Gute, wieder verkaufsfähige Geräte werden dann gereinigt, kleine Reparaturen werden durchgeführt. Danach werden die Geräte mit dem neusten Betriebssystem bespielt und können dann wieder verkauft werden. So machen wir aus „Alt – Neu“. Sie bekommen also ein zweites Leben. Das finde ich großartig und das macht meine Arbeit bei der AfB so interessant.

Eine stärkere Stellung von Inklusionsunternehmen im Wettbewerb um öffentliche Aufträge trägt dazu bei, bestehende inklusive Arbeitsplätze zu sichern, aber auch neue zu schaffen. Und noch mehr: Eine bevorzugte Vergabe an Inklusionsunternehmen hat eine starke Symbolwirkung, die auch anderen Unternehmen zeigt,
die Zukunft soll inklusiv werden!

#Informations­material

🔗 Homepage der Bundesarbeitsgemeinschaft Inklusionsfirmen e.V.
Informationen zur bag if, zu Inklusionsunternehmen und aktuellen politischen Enrwicklungen aus den Bereichen Inklusion und Arbeit

🔗 Informationsportal „Inklusionsunternehmen. MehrWert inklusive“
Informationen rund um Inklusionsunternehmen

🔗 REHADAT Inklusionsbetriebe
Liste aller Inklusionsunternehmen – nach Länder und Branchen

Fakten­blatt

🔗 barrierfreie pdf

Alles über Inklusions­unter­nehmen und die Möglichkeiten der bevorzugten Vergabe auf einen Blick.

2. Auflage, Stand 12.2021

Hand­reichung

🔗 barriefreie pdf

Die Möglichkeiten der bevorzugten Vergabe an Inklusions­­unter­nehmen im Vergabe­recht. Eine Einführung für Inklusions­­unter­­neh­­merinnen und -unternehmer.

2. Auflage, Stand 12.2021

INKLUSIONS­UNTERNEHMEN

Schon gewusst? Fast 30.000 Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten deutschlandweit in Inklusionsunternehmen: